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Worte des Dalai Lama
Zitate aus: „Das
Buch der Freiheit", Bergisch Gladbach 1990,
der sog. Autobiographie
des 14. Dalai Lama
[Engl. Ausgabe: "Freedom
in Exile. The Autobiography of the Dalai Lama"
(Hardcover ed., Harpercollins
1990 - Paperback
edition 1991)]
Vielen Menschen bleibt unverständlich,
dass eine Persönlichkeit wie der Dalai Lama, der sich für den
Weltfrieden einsetzt und gewaltfrei für seine Ziele kämpft, keinerlei
Gehör oder gar Gesprächsbereitschaft auf der chinesischen Seite
findet, zumindest nicht bei der offiziellen Seite. Dies wird um so schwerer
fassbar, als er das wichtigste ursprüngliche Ziel - das, wie es uns
oft scheint, im Westen offenbar noch wichtiger ist als vielen Tibetern
selbst - die Unabhängigkeit von China nämlich, bereits zur Disposition
gestellt hat.
Nun sind die Vorstellungen des Dalai
Lama weltweit über die Presse verbreitet worden, und allenthalben
finden sich Zitate aus der großen Zahl seiner Bücher. Der größte
Teil seiner Schriften umfasst religiöse Inhalte, zumal der tibetische
Buddhismus sich seit einiger Zeit großer Beliebtheit im Westen erfreut.
Weniger gelesen - wenn auch oft im Bücherregal stehend - scheinen
seine Autobiographien zu werden. Dies müssen wir dem Umstand entnehmen,
dass zwar häufig auf sie verwiesen wird, aber eigentlich niemals zur
Sprache kommt, dass vieles in diesen Autobiographien, vor allen Dingen
der zweiten - "Das Buch der Freiheit" - den ansonsten verbreiteten Vorstellungen
des Dalai Lamas und des friedlichen, vorurteilsfreien Zusammenlebens selbst
mit seinem Gegner heftigst widerspricht.
Wir können hier (noch) nicht all
die Argumente anführen, weshalb wir glauben, dass die genannte Autobiographie
zu wesentlichen Teilen von anderen geschrieben wurde, mindestens zum Teil
sogar aus westlicher Feder stammt; müssen andererseits aber auch sagen,
dass dies der einzige Trost wäre: weil nämlich so erklärt
werden könnte, dass der Dalai Lama hinter all den folgenden in Zitaten
vermittelten Aussagen gar nicht stehe. Dennoch muss gesagt werden: "Das
Buch der Freiheit" wird als Autobiographie verkauft, und insofern hat der
"Autor" auch Verantwortung für den Inhalt.
Uns geht es hier weniger darum anzuklagen
(obwohl wir nicht umhin kommen, dass es auch so aufgefasst wird), sondern
zumindest darauf hinzuweisen, wie sehr westliche Inhalte bereits in die
Tibetfrage eingegangen sind. Wie fremdbestimmt Tibet nicht nur zuhause
(durch die Chinesen), sondern auch schon im Exil ist (durch manche - nicht
alle - "engagierte Tibetförderer"). Und gerade dies scheint uns zur
Verhärtung der "Fronten" zwischen China und den Exiltibetern beizutragen,
und die Verschärfung der Auseinandersetzung führt auch zu einer
härteren Gangart Prkings in Tibet selbst. Wer nicht glaubt, wie eng
das Verhalten des Westens mit der Stärkung der Hardliner in
Peking zu tun hat, dem sei die Lektüre der (zugegebenermaßen
meist sehr umfangreichen) Bücher auf unserer Seite zur è
modernen
Geschichte und Politik empfohlen. Und wer sich ein Bild machen möchte,
warum der Dalai Lama trotz seiner - auch in unseren Augen - beeindruckenden
Persönlichkeit widersprüchlich wirken könnte und damit auf
chinesischer Seite wenig Chancen hat, das Vertrauen zurückzugewinnen,
der sehe sich die nachfolgenden Zitate aus seiner so genannten (2.) Autobiographie
durch.
[Die Seitenzahlen als
Belegnachweise beziehen sich auf die 6. Auflage im Februar 1997"Dalai
Lama: Das
Buch der Freiheit. Die Autobiographie des Friednsnobelpreisträgers",
Bastei Lübbe Verlag, Taschenbuch Band 61239, Bergisch-Gladbach 1990;
engl. Ausgabe: "Freedom
in Exile"]

Essen Chinesen ihre
Kinder...?
"Als in China einmal eine große Hungersnot herrschte
und die Menschen auf der Suche nach Nahrung bis über die Grenze
kamen, erschien ein Paar vor unserer Tür mit einem toten Kind in den
Armen. Sie bettelten um Essen, was ihnen meine Mutter auch gleich gab.
Das zeigte sie auf das Kind und fragte, ob sie ihnen helfen könne,
es zu begraben. Als sie verstanden, was sie meinte, schüttelten sie
den Kopf und gaben zu verstehen, daß sie es
essen würden."
Anmerkungen: Mit
Grenze
ist wohl eine tibetisch-chinesische Grenze gemeint. Der Geburts- und Wohnort
bis zur Auffindung des Dalai Lama liegt nicht nur heute in der chinesischen
Provinz Qinghai, sondern auch damals. Dies ist im wesentlichen der Grund,
weshalb die Lhasa-Regierung dem muslimischen Hui-Gouverneur, der diesen
Raum beherrschte, viel Geld zum Auslösen der hier aufgefundenen Wiedergeburt
des Dalai Lamas bezahlen musste. (Geld, das im übrigen die Pekinger
Regierung an Lhasas statt bezahlt haben soll.) Das elterliche Haus in Taktser
(chin. Hongya Cun) entspricht im wesentlichen klassischen chinesischen
Gehöften des Landadels (Grundbesitzer). Das eigentlich Ungeheuerlich
an diesem Text aber ist, dass unterstellt wird, Chinesen würden im
Fall einer Hungersnot sogar ihre eigenen Kinder essen.
Hier wird ein ganzes Volk aus politischen Gründen dämonisiert.
Kann das recht sein?
|
Von den jähzornigen
Chinesen
"Dann
fand sich ein alter chinesischer Mönch ... Er war ein liebenswürdiger
und äußerst frommer Mann, aber wie viele Chinesen
sehr jähzornig."
|
Tibets Ansprüche
auf große Teile Chinas
"Tibet hat nie zu China gehört.
Im Gegenteil, Tibet hat
sogar historisch begründete Ansprüche
auf große Teile Chinas. Abgesehen
davon sind die beiden Völker ethnisch und rassisch
verschieden."
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|
Anmerkungen: Mit dieser
Anspielung auf Tibets historisch begründete
Ansprüche auf große Teile Chinas
meint der Dalai Lama in seiner Autobiographie wahrscheinlich nicht nur
jene Gebiete, die die Exiltibeter heutzutage zu dem von ihnen beanspruchten
Groß-Tibet zählen (und viele im Westen diesen Anspruch ganz
selbstverständlich übernehmen), sondern bezieht sich wohl auf
den Umstand, dass die Tibeter im 8. Jh. bereits einmal die damalige chinesische
Hauptstadt Chang'an erobert hatten. Jedenfalls ist, so denken wir, leicht
nachzuvollziehen, dass sich jeder Staat der Erde - und nicht nur die VR
China - in seiner Substanz durch Forderungen bedroht fühlen würde,
wenn deren Erfüllung seine Staatsfläche - wie das mit der in
der Autobiographie abgedruckte Karte (S. 400/401) deutlich gemacht wird
- um mehr als die Hälfte reduzieren würden. Der Dalai Lama -
oder sein Kartograph - entwirft ja nicht allein ein unabhängiges Groß-Tibet,
sondern unterstellt im weiteren ganz selbstverständlich ein Tibet
mit unabhängigen Nachbarländern wie Ostturkestan, (Innere) Mongolei
und sogar noch eine selbständige Mandschurei.** Damit würde der
als VR China verbleibende Rest gerade noch etwa 42 % der heutigen Staatsfläche
umfassen. (Vgl. Karte links)
** Interessant
ist in diesem Zusammenhang auch die 'Konstruktion' einer unabhängigen
Mandschurei, wo doch die Mandschuren nach über 260 Jahren Herrschaft
über China kein geschlossenes Siedlungsgebiet mehr haben, auch nicht
in der Mandschurei, sondern über ganz China verteilt und in hohem
Maße assimiliert sind. Dies aber ist das Ergebnis ihrer eigenen Herrschaft
und nicht etwa einer Han-chinesischen Akkulturationspolitik. |
|
Die heuchelnden Chinesen
"Als
wir schließlich im Bahnhof von Beijing ankamen, war ich äußerst
nervös, beruhigte mich aber ein wenig, als ich die Riesenmenge junger
Menschen sah, die versammelt war, um uns zu brgüßen. Aber ich
merkte schon bald, daß ihre Zurufe
und ihr Lächeln bloß Heuchelei waren
und daß sie auf Befehl dort standen, worauf meine innere Unruhe wieder
aufflackerte."
|
Falschheit hinter dem Lächeln
"Die
Chinesen hingegen lächelten stets, doch hinter ihrem Lächeln
verbarg sich Falschheit."
|
...will nicht hetzen
"Frauen
... wurden in Krankenhäuser wie das in Gyantse gebracht, das überall
als »der Schlachthof«
bekannt war. Dort wurden sie zur Abtreibung gezwungen und dann zwangssterilisiert."
"Ich
erwähne diese Dinge nicht, um gegen meine chinesischen Brüdern
und Schwestern zu hetzen, sondern um die Menschen
aufzuklären. Es gibt sicher viele gute Chinesen, die keine Ahnung
haben, was in Tibet vor sich geht. Ich führe diese grauenvollen Fakten
auch nicht aus Verbitterung an..."
"...lagert
China mindestens ein Drittel seines nuklearen Arsenals auf tibetischem
Boden. ... haben die Chinesen weite Teile des Landes mit radioaktivem Müll,
der im Bergbau entstanden ist, verseucht. Außerdem befindet sich
in Amdo, der nordöstlichsten Provinz Tibets, das größte
Gefangenenlager. Schätzungen zufolge ist es groß genu, um bis
zu zehn Millionen Gefangene
aufzunehmen."
Anmerkungen: Hier
widersprechen sich einige Angaben (hier nur exemplarisch vorgeführt)
im Buch ganz massiv, wenn nämlich behauptet wird, dass in einer Region,
in der nicht einmal vier Millionen Einwohner leben (s.u. Zit.) ein Gefangenenlager
existieren soll, dass zehn Millionen Gefangene aufnehmen könne (s.o.):
"In der
Provinz Qinghai zum Beispiel, die in etwa dem
früheren Amdo entspricht, wo ich geboren
wurde, leben chinesischen Statistiken zufolge zweieinhalb
Millionen Chinesen und nur siebenhundertfünfzigtausend
Tibeter."
Anmerkungen: Zur ethnischen
Struktur in Tibets Nordosten siehe den Artikel von A. Gruschke: Demographische
und ethnographische Grundzüge des Hochlands von Tibet
|
Zu viele Mönche
"Jetzt,
zu Beginn unseres vierten Jahrzehnts im Exil, haben wir eine blühende
Gemeinschaft von über sechstausend Mönchen. Ich würde sogar
so weit gehenzu behaupten, daß das zu viele sind; schließlich
zählen ihre Fähigkeiten und ihre Hingabe mehr als ihre Anzahl."
"Es
wäre sehr nützlich, wenn auch die Buddhisten einen ähnlichen
Beitrag für die Gesellschaft leisten würden. Ich habe den Eindruck,
daß buddhistische Mönche und Nonnen viel über Mitgefühl
reden, ohne jedoch konkret etwas dafür zu tun."
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[Alle Seitenzahlen als Belegnachweise
beziehen sich auf die 6. Auflage im Februar 1997"Dalai
Lama: Das
Buch der Freiheit. Die Autobiographie des Friednsnobelpreisträgers",
Bastei Lübbe Verlag, Taschenbuch Band 61239, Bergisch-Gladbach 1990;
engl. Ausgabe: "Freedom
in Exile"]
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